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Was ist ELSTER?
ELSTER steht für Elektronische Steuererklärung. Die meisten Menschen verbinden damit vor allem „Mein ELSTER", das kostenlose Online-Portal der Finanzverwaltung zur elektronischen Abgabe von Steuererklärungen. ELSTER bezeichnet jedoch nicht nur das Portal, sondern das Verfahren und die technische Infrastruktur für die elektronische Übermittlung von Steuerdaten.1
Wichtig für die Architektur
ERiC steht für ELSTER Rich Client und ist eine von ELSTER bereitgestellte technische Komponente für Softwarehersteller. Sie wird in die eigene Anwendung beziehungsweise in einen dafür vorgesehenen Dienst integriert und unterstützt die Aufbereitung, Prüfung und Übermittlung von Steuerdaten.
ERiC ist dabei keine klassische REST-API. Eine Anwendung ruft also nicht einfach einen öffentlichen HTTP-Endpunkt auf, sondern integriert eine von ELSTER bereitgestellte Softwarekomponente in die eigene Anwendung. Wer eine klassische JSON-API einplant, kalkuliert vor allem die Anbindung eines Webservices. Wer ERiC einsetzt, muss dagegen auch Integration, Build, Deployment und Betrieb der technischen Komponente berücksichtigen.
Genau diese Trennung erklärt, warum neben Mein ELSTER zahlreiche kommerzielle Steuersoftwareprodukte existieren. Anbieter wie smartsteuer, wundertax oder WISO Steuer setzen auf eine eigene Nutzerführung und ergänzen die elektronische Übermittlung beispielsweise um automatische Belegerkennung, Vorbefüllung oder zusätzliche Assistenzfunktionen.
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Was macht eine ELSTER-Schnittstelle?
Eine ELSTER-Schnittstelle verbindet die Fachdaten eines Produkts mit den von der Finanzverwaltung vorgegebenen Strukturen für die elektronische Übermittlung. In der Praxis lässt sich eine vollständige Integration in vier Verantwortungsbereiche aufteilen.
ELSTER-Integration
Vier Verantwortungsbereiche
- Datenmodell & PayloadInterne Fachdaten werden den vorgesehenen ELSTER-Strukturen und Feldern zugeordnet.Mapping
- ERiCDie von ELSTER bereitgestellte technische Komponente wird in die Anwendung oder einen dafür vorgesehenen Dienst integriert.Integration
- Authentifizierung & SicherheitZugangsdaten, Zertifikate und weitere sicherheitsrelevante Informationen müssen getrennt, geschützt und nachvollziehbar verwaltet werden.Credentials
- Kommunikation & RückmeldungenÜbermittlung, technische Rückmeldungen und Fehler müssen im Produkt verarbeitet und für Nutzer sowie Support verständlich aufbereitet werden.Fehlerbehandlung
Diese Trennung ist auch für die Fehlersuche wichtig. Ein Mapping-Fehler entsteht beispielsweise im eigenen Anwendungscode, während ein Problem bei der Integration oder Laufzeit der technischen Komponente an einer anderen Stelle untersucht werden muss. Rückmeldungen aus dem Übermittlungsprozess bilden wiederum eine eigene Fehlerklasse. Wer diese Fälle im Logging nicht unterscheidet, erschwert die Fehlersuche und den Support.
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Wie aufwendig ist eine eigene ERiC-Integration?
Der Aufwand hängt vom unterstützten Verfahren, dem vorhandenen Datenmodell, den Zielplattformen und den Anforderungen an Betrieb und Skalierung ab. Die eigentliche Übermittlung ist dabei nur ein Teil der Aufgabe. Aufwendig wird die Integration vor allem dort, wo das eigene Produkt auf die vorgegebenen Strukturen und technischen Anforderungen von ELSTER trifft.
Das eigene Datenmodell entspricht nicht den offiziellen Formularstrukturen
Das interne Datenmodell einer Software ist in der Regel nicht identisch mit den Strukturen der amtlichen Steuerformulare. Zwischen beiden liegt deshalb eine Übersetzungsschicht, die entwickelt, getestet und bei Änderungen der unterstützten Verfahren gepflegt werden muss.
Prüfen, bevor ERiC prüft
Nicht jede fachliche Eingabeprüfung sollte erst unmittelbar vor der Übermittlung stattfinden. Sinnvoll ist eine eigene Validierung bereits bei der Eingabe, beispielsweise für Pflichtfelder, Datentypen, Wertebereiche oder Feldlängen.
Nutzer erhalten dadurch verständliche Hinweise wie „Bitte tragen Sie die Entfernung in Kilometern ein" statt einer technischen Fehlermeldung erst beim Absenden der Erklärung.
Eine native Komponente im eigenen Deployment
ERiC wird als technische Komponente in die eigene Anwendung beziehungsweise einen dafür vorgesehenen Dienst integriert. Die von ELSTER bereitgestellte Komponente ist als C-Bibliothek ausgelegt. Das bedeutet: ERiC ist keine eigenständige Webanwendung, sondern eine Programmbibliothek, die in die eigene Software eingebunden wird.
Die Integration einer C-basierten Komponente in eine moderne Deployment-Kette betrifft unter anderem Base-Images, Plattformkompatibilität, Prozessgrenzen und Ressourcenverbrauch. Je nach Architektur müssen außerdem Timeouts, Parallelisierung und Wiederholungslogik berücksichtigt werden.
Ein separater Dienst kann diese Laufzeitanforderungen kapseln und die technische Integration von der Hauptanwendung entkoppeln. Dadurch lässt sich beispielsweise der Veröffentlichungszyklus der Steuerlogik unabhängig vom übrigen Produkt organisieren.
ERiC-Rückmeldungen in verständliche Endnutzer-Informationen übersetzen.
Technische Rückgabewerte müssen im Produkt in verständliche Informationen übersetzt werden. Eine saubere Integration unterscheidet deshalb beispielsweise zwischen Fehlern der eigenen Validierung, Problemen bei der Erzeugung des Datensatzes, technischen Fehlern der integrierten Komponente und Rückmeldungen aus dem Übermittlungsprozess.
Logging, Monitoring und Transparenz im Betrieb
Rückmeldungen und technische Statusinformationen sollten so protokolliert werden, dass der Support einen Vorgang nachvollziehen kann, ohne ihn unnötig erneut übermitteln zu müssen. Im Betrieb sollten unter anderem Fehlerklassen, Häufigkeiten, eingesetzte Versionen und abgebrochene Vorgänge überwacht werden.
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Entwickler-Registrierung bei ELSTER
Wer ERiC als Softwarehersteller nutzen möchte, muss zunächst das vorgesehene Entwickler- bzw. Herstellerverfahren der Finanzverwaltung durchlaufen1.
- Registrierung als Hersteller bzw. Entwickler
- Prüfung der Absicht zur Softwareherstellung durch den zuständigen IuK-Bereich des Bayerischen Landesamts für Steuern
- Zusendung der Zugangsdaten für den Entwicklerbereich
- Download von ERiC über den Entwicklerbereich
- Beantragung der Hersteller-ID über das vorgesehene Formularportal
- Abonnement des ELSTER-Newsletters für Änderungsmitteilungen
Diese Angaben entsprechen dem recherchierten Stand 2026 und sind unverbindlich. Maßgeblich sind stets die aktuellen Informationen und Vorgaben im offiziellen Entwicklerbereich der Finanzverwaltung.
Für die Projektplanung sollte der Registrierungs- und Freigabeprozess als eigener Vorlauf berücksichtigt werden. Vor dem Go-Live sollte die Integration außerdem in einer geeigneten Testumgebung geprüft werden.
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Der Betrieb nach dem Go-Live
Eine ELSTER-Integration endet nicht mit dem ersten erfolgreichen Go-Live. Änderungen an Steuerverfahren und Formularen sowie neue ERiC-Versionen können Anpassungen an der eigenen Software erforderlich machen.
Der laufende Betrieb erfordert deshalb einen wiederkehrenden Wartungszyklus:
Integration Test Release Monitoring Update
Damit Änderungen nicht jedes Mal zu einem separaten Projekt werden, sollten für Updates, Tests und Releases von Anfang an feste Prozesse und Zuständigkeiten etabliert werden.
Empfohlene Voraussetzungen für einen stabilen Betrieb:
- Festgelegte Zuständigkeiten für Versionen und Updates
- Dokumentierte Abhängigkeiten und reproduzierbare Build- und Deployment-Prozesse
- Regelmäßige und möglichst automatisierte Funktionalitätstests
- Konsequentes Monitoring nach jedem neuen Release
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Build vs. Buy
Bei der Entscheidung zwischen Eigenbau und Einkauf geht es vor allem um die Frage, wo die technische und operative Verantwortung liegen soll. Soll das eigene Team die ELSTER-Integration, Updates und den Betrieb selbst verantworten oder soll ein Teil dieser Aufgaben an einen spezialisierten Anbieter ausgelagert werden?
Build: eigene ERiC-Integration
Bei einer eigenen ERiC-Integration übernimmt das eigene Team die technische Umsetzung und den laufenden Betrieb selbst. Dazu gehören insbesondere Mapping, Integration der technischen Komponente, Tests, Updates und Deployment.
Buy: externe Lösung
Bei einer externen Lösung wird die technische ELSTER-Integration teilweise oder vollständig von einem spezialisierten Anbieter bereitgestellt. Das eigene Produkt integriert dann nicht ERiC direkt, sondern die Schnittstelle des externen Anbieters.
| Build: eigene ERiC-Integration | Buy: externe Lösung | |
|---|---|---|
| Engineering-Aufwand | Höher: Mapping, Komponente und Tests liegen im eigenen Team | Geringer: die technische Integration wird teilweise ausgelagert |
| Kontrolle | Hoch: Architektur und Release-Zeitpunkte liegen intern | Abhängig von Schnittstelle und Anbieter |
| Wartung | Im eigenen Engineering-Team | Teilweise oder überwiegend beim Anbieter |
| Release-Verantwortung | Eigene Releases bei relevanten Änderungen | Abhängig von Anbieter-Releases |
| Time-to-Market | In der Regel langsamer, inklusive Zugangs- und Integrationsaufwand | In der Regel schneller |
| Betriebskomplexität | Hoch: Komponente, Monitoring und Updates | Geringer, Teile der Verantwortung liegen beim Anbieter |
| Abhängigkeit | Geringer, dafür volle Eigenverantwortung | Höhere Abhängigkeit von Anbieter, Verfahren und Terminen |
Unternehmen sollten zunächst prüfen, welchen Stellenwert die Steuerübermittlung für das eigene Produkt hat. Bei einer Steuersoftware kann sie ein zentraler Bestandteil des Produkts sein. Bei einer Bank-, Buchhaltungs- oder Fintech-Anwendung ist sie dagegen möglicherweise nur eine eingebettete Funktion.
Wer selbst baut, muss den dauerhaften technischen und organisatorischen Aufwand einplanen. Wer einkauft, sollte dagegen genau prüfen, welche Verfahren und Formulare abgedeckt werden, wie Updates erfolgen und wie mit Ausfällen oder Änderungen umgegangen wird.
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Finale Checkliste vor dem Start
Wer die Implementierung einer eigenen ELSTER-Schnittstelle evaluiert, sollte vorab folgende Kernfragen klären:
- Welche Übermittlungsverfahren und Anlagen soll das Produkt unterstützen?
- Welche Daten liegen bereits im eigenen Produkt vor und welche Informationen müssen zusätzlich erhoben werden?
- Wo liegt die Mapping-Schicht und wer pflegt sie bei Änderungen an Verfahren oder Formularen?
- Welche Plausibilitäts- und Eingabeprüfungen erfolgen im eigenen Produkt, bevor Daten übermittelt werden?
- Wie werden Credentials und Zertifikate sicher verwaltet?
- Wie werden technische Rückmeldungen in verständliche Aussagen für Nutzer und Support übersetzt?
- Welche Fehlerklassen können auftreten und wie werden sie überwacht?
- Wer übernimmt Testing, Freigabe und Rollout neuer Versionen?
- Wer trägt die dauerhafte technische Verantwortung im laufenden Betrieb?
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Häufige Fragen
Was ist ERiC?
ERiC steht für ELSTER Rich Client. Die Finanzverwaltung stellt die technische Komponente für Softwarehersteller zusammen mit der entsprechenden Schnittstellenspezifikation bereit. Softwarehersteller integrieren ERiC in ihre Anwendung, um Steuerdaten für die elektronische Übermittlung aufzubereiten, zu prüfen und an das ELSTER-Verfahren zu übergeben.
Was ist der Unterschied zwischen ELSTER und Mein ELSTER?
ELSTER bezeichnet das Verfahren und die technische Infrastruktur für die elektronische Übermittlung von Steuerdaten an die Finanzverwaltung. Mein ELSTER ist das Online-Portal der Finanzverwaltung, über das Bürger und Unternehmen Steuerdaten elektronisch übermitteln können. Kommerzielle Steuersoftware kann dasselbe ELSTER-Verfahren technisch nutzen, bietet darüber aber eine eigene Benutzeroberfläche und zusätzliche Funktionen.
Ist ERiC eine REST-API?
Nein. ERiC ist eine technische Komponente zur Integration in Software und unterscheidet sich damit architektonisch von einer klassischen REST-API, die eine Anwendung über HTTP und definierte Endpunkte anspricht.
Kann man ELSTER in eine SaaS-Plattform integrieren?
Ja. Die Integration umfasst allerdings mehr als einen einzelnen API-Aufruf. Datenmapping, Integration der technischen Komponente, Verwaltung von Credentials, Validierung, Fehlerbehandlung, Deployment und laufende Updates müssen als zusammenhängende technische Aufgabe betrachtet werden.
Wie aufwendig ist eine eigene ERiC-Integration?
Der Aufwand hängt insbesondere vom unterstützten Verfahren, vom vorhandenen Datenmodell, von den Zielplattformen und von den Anforderungen an Betrieb und Skalierung ab. Neben der technischen Integration müssen vor allem Mapping, Tests, Fehlerbehandlung und laufende Updates berücksichtigt werden.
Wann ist eine eigene ERiC-Integration sinnvoll?
Eine eigene ERiC-Integration kann sinnvoll sein, wenn die elektronische Steuerübermittlung ein zentraler Bestandteil des eigenen Produkts ist und das Team die technische Integration, Wartung und den Betrieb selbst verantworten möchte.
Der Aufwand hängt insbesondere vom unterstützten Verfahren, vom vorhandenen Datenmodell, von den Zielplattformen und von den Anforderungen an Betrieb und Skalierung ab.
Quellen
- [1] ELSTER, Informationen für Entwickler und Hersteller
- [2] ELSTER, Presse und Zahlen (Stand 31.08.2026)
- [3] Landesamt für Steuern Rheinland-Pfalz, Steuererklärung per App mit einem Klick
- [4] ELSTER, Softwareprodukte
Abgerufen am 9. September 2026. Verbindlich für Verfahren, Komponenten und Zugang sind die jeweils aktuellen Angaben der Finanzverwaltung. Aussagen zur eigenen Architektur beruhen auf der Implementierung bei AnyTax.
Zuletzt aktualisiert: 9. September 2026
Wie AnyTax das löst
AnyTax stellt Partnerplattformen die Infrastruktur für die deutsche Einkommensteuer bereit. Die Anbindung an ELSTER und die dazugehörige Steuerlogik laufen bei uns im Backend.
Welche Integrationswege es gibt und wie die Aufgaben zwischen Ihrer Plattform und AnyTax verteilt sind, steht auf der Integrationsseite.